Retraumatisierung durch riskante Kinderlogik

„Such mich Mama“. 

Mein Sohn hielt sich die Augen zu.

Und ich sollte ihn finden. 

Nichts leichter als das. 😄

Denn er war ja da. 

 

Ist er nicht entzückend? Der magische Gedanke, dass wir verschwinden, sobald wir die Augen schließen?

Wir alle haben ihn gedacht – in einer gewissen Entwicklungsphase. 

 

Und einige glauben noch immer an diese Magie. 🤪

Die moderne Form davon geht zum Beispiel so: 

Wenn ich keine Gedanken denke, die mich beunruhigen, dann habe ich auch keine negativen Emotionen. 

😂

Du hörst mein lautes Lachen, oder? 

 

Ja, durchaus: Gedanken können dazu führen, dass wir etwas empfinden, was unangenehm ist. 

Doch positives Denken hat leider nicht zur Folge, dass eine alte und unverarbeitete Emotion nun integriert wird.

Denn wissenschaftlich betrachtet sind Gedanken leider nicht das Einzige, was Emotionen auslöst. 

Bumm! 🤯 

Sorry, dass ich Deine Illusion zerstöre!

 

Ein Beispiel aus meinem Leben zur Veranschaulichung: 

Immer wenn meine Partner abends vor mir die Augen schlossen und ins Land der Träume segelten, bekam ich eine Heidenwut. 

Ich liebte meine Partner und ich gönnte ihnen ihren wohlverdienten Schlaf. 😴

Doch änderte mein Gefühl der Liebe und dieses Denken nichts an der Wut. 

Sie war da. 

Im Hier und Jetzt. 

Real.😬

Und keineswegs ausgedacht. 

Bald hängte sich noch eine Angst an die Wut. 

Immer, wenn ich in einer Beziehung war, fürchtete ich mich schon vor den gemeinsamen Nächten. 

Denn mein Partner konnte meine Wut nicht nachvollziehen und reagierte gereizt, wenn ich ihn des Nachts nicht einschlafen ließ und versuchte ihn durch lange Gespräche wachzuhalten. 

Aus Angst vor dieser ohnmächtigen Wut und Hilflosigkeit. 

 

Mit jeder neuen Partnerschaft wurde das Problem größer. 🥴

Und ich ratloser und ratloser. 

Was stimmte nicht mit mir? 

Warum lag ich – obwohl ich hundemüde war – spät am Abend plötzlich energiegeladen und hellwach im Bett? 😵‍💫

Nach einer langen Phase des Leidens stellte sich endlich die Ursache heraus: Es war ein sehr altes Trauma aus den ersten Stunden nach meiner Geburt als ich ungewollt Zeugin des Nahtods meiner Mutter wurde.

 

Also alles kalter Kaffee. 

Vergangenheit. 

Ich konnte mich also abregen. 

Haha. Wäre doch gelacht. 😆

Jetzt wo ich es wusste, war die Wut ja nicht mehr real…. 

Susi Schraube aus der Sesamstraße würde sagen: “Problem gelöst!”

 

Also hielt ich die Augen zu wie mein Sohn.

Und (die Wut?)…. war noch immer da. 😒 

Mist!

Das Wegdenken funktionierte nicht. 

Die Wut blieb. 🤬

Es kam sogar noch eine Wut hinzu. Nämlich die Wut darüber, dass es mir nicht gelang, meine Reaktion zu kontrollieren. 

Daran änderte auch die Erkenntnis und das Wissen nicht, dass es alles doch bereits Vergangenheit war. 

Warum ist das so?

Ich sag es Dir. 

Ein Trauma hinterlässt eine Wunde im Nervensystem.

Die Reize werden bei einer Überwältigung ohne Bezug zueinander in unserem Gehirn abgespeichert. 

Leider auch ohne Zeitbezug. 

Denn in Gefahrensituationen ist die Verbindung zwischen dem Hippocampus und dem restlichen Teil des Gehirns unterbrochen. 

Das ist wunderbar. 

Denn es hilft uns, ein Trauma zu überleben. 

Doch danach? 

 

Da klafft die Wunde zwischen Hippocampus und dem sogenannten fragmentierten „Traumagedächtnis“ weiterhin. 

Und deshalb gilt bei Trauma eine Formel: 

V=G=Z 

Vergangenheit gleich Gegenwart gleich Zukunft. 

Ganz gleich, wann das traumatisierende Ereignis war und was Du heute denkst: Dein autonomes Nervensystem mobilisiert sich schonmal für die Gefahr. 

Auch wenn Du weißt, die Gefahr ist schon längst vorüber.

Das macht es von alleine und das macht es gut. Darum heißt es ja „autonom“.

Egal, wie sehr Du versuchst, im Hier und Jetzt zu sein. 

 

Wenn Trauma in das Autonome Nervensystem einsteigt, bleibt es dort sitzen…

… bis ins Hier und Heute. 

Oder zumindest bis Du der Sache auf die Spur kommst und Dich erinnerst. 

 

Und wenn Du Dich nicht erinnerst? 🥺 Weil es vielleicht zu einer Zeit geschah, als Du noch kein explizites Gedächtnis hattest? 

 

Dann erinnert sich Dein Körper – Dein implizites Gedächtnis. 

(Wissenschaftliche Studien belegen im Übrigen, was die Naturvölker schon lange zu berichten wissen: Unser Körpergedächtnis hat sogar Traumata von mindestens 4 Generationen gespeichert. 😳 Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal….)

Also: Der Körper erinnert sich. 

Spätestens, wenn der nächste Reiz da ist, der nicht einsortiert werden kann. 🙈

 

Muss das ewig so weiter gehen? 

Nein.

 

Du kannst probieren, die Wunde zu ignorieren und mit positiven Gedanken überkleben wie mit einem Pflaster. 🩹 

Bei einer leichten Verletzung wie einer Schürfwunde oder kleinen Platzwunde mag das gehen. 

Doch nicht bei einer wirklich tiefen Verletzung wie Trauma. 

Dort muss die Wunde genäht werden. 

Oder der Bruch zurechtgerückt.

 

Damit zusammenwachsen kann, was durch das Trauma fragmentiert wurde.

Wazu?

 

Um die Verbindung vom expliziten Wissen mit dem impliziten Gedächtnis herzustellen: Sensorische Empfindungen, Bilder, Bewegungsimpulse, Emotionen und zu guter Letzt natürlich auch die Ebene der Kognition (Sprache, Gedanken und Bedeutungen). 

 

Wenn Du noch immer auf der Suche bist nach dem ganzen Bild für Deine Emotionen, Reaktionen Deines Körpers oder Verhaltensmuster und keine Erklärung dafür hast, so sorge Dich nicht. 

Wir müssen nicht alles erklären können. 

 

Eine Wunde kann man auch nähen, wenn man nicht weiß, wie und wann sie entstanden ist. 

Wenn Du es nicht tust, wird sie erneut aufreißen und sich entzünden.

In meinem Fall waren das die vielen aus tiefster Verlustangst gescheiterten Beziehungen.  

 

Wenn Du die Wunde aber nähst, wirst Du eine Menge im Trauma gehaltene (da mobilisierte und nie zuende geführte Über-)Lebensenergie zurückgewinnen. 

Statt sie mit ungesundem Mindcontrol zu unterdrücken, bis chronische Erkrankungen aus dem stetig erhöhten Cortisolspiegel werden.

 

Du hast die Wahl und kannst jederzeit die Entscheidung treffen, etwas zu verändern. 

Buche hier Deinen Termin für eine Erstsitzung: Termin

 

PS

Mit jeder genähten Wunde wirst Du mehr Lebensenergie und Zuversicht spüren und den unbewussten Zyklus der Retraumatisierung durchbrechen.  

PPS

Falls Du Dich fragst: Wieso hat sie Wut gespürt? Wut ist eine Form von Aggression. Aggredere (lat.): etwas in Angriff nehmen. Angriff war nur leider nicht möglich, als ich meine Mutter für viele Stunden verlor. Daher klopfte die Wut in meinem Leben immer wieder an. Denn unser Körper weiß, welche Energie zur Lösung beiträgt. 

PPPS

Verdrängung von unangenehmen Emotionen ist ein Weg. Integration der weitaus bessere. Die Reduktion von Cortisol in unserem Blut verlängert unsere Lebenserwartung um ein Vielfaches. 

5 Antworten

  1. Ja, wirklich sehr schön geschrieben, unterhaltsam und einleuchtend.
    Da es aber so viele Angebote gibt, wie man Traumata und Konditionierungen lösen kann,
    und so viele verschiedene Methoden (Emotions Code, Mind Walking, …), hätte ich gern gewusst,
    mit welcher Methode du arbeitest.

    1. Lieber Johannes,
      ich arbeite mit Somatic Experiencing nach Dr. P. Levine. Einer wissenschaftlich untermauerten und seit über 45 Jahren angewandte „Methode“. Mehr Informationen dazu wird es bald auf meinem YoutTube Kanal geben. Auch erkläre ich den Ansatz im Bonusvideo von meinem 0€-Kurs „seelische & körperliche Blockaden lösen“.
      Ich hoffe, das hilft Dir und auch den Lesern weiter.

      Viele Grüße
      Swantje

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